ROUNDABOUT MANFRED ECCLI, ULRIKE LIENBACHER, IVAN MOUDOV, KAMEN STOYANOV, LUNTISTEN FREITAG 11. APRIL 2014

Serie von 10 Auszügen aus Eindhoven, Innsbruck, London, Linz, Tokyo, Los Angeles und Yokohama Foto: Google Maps

Ulrike Lienbacher Kreisverkehr Gänserndorf (Kunst im öffentlichen Raum ), 2010

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Manfred Eccli KVK (Kreisverkehrkunst), Part I – Inside the circle (Video), 2011

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Kamen Stoyanov Future Idea (Video), 2013

Ivan Moudov 14:13 Minutes Priority (Video), 2005

Luntisten Performance, 2014

Der Kreis als Form einer theoretisch endlosen Bewegung bildet den thematischen Hintergrund der Ausstellung. In der Spur eines bewegten Punktes, der in gleichem Abstand um ein definiertes Zentrum kreist, fallen Anfangs- und Endpunkt zusammen. Ausgehend von einer abstrakt formalen Begrifflichkeit werfen die ausgestellten Arbeiten und Objekte Fragen nach einem möglichen erweiterten Gehalt des „Kreises“ auf. In einer – sowohl mentalen als auch konkret räumlich – zirkulären Bewegung soll der Ausstellungsbesuch das Denken über Kreis von einem definierten Punkt aus in vielfältige Richtungen öffnen.

Auf welche Traditionslinien kann das Denken im Kreis bezogen werden? Im Falle der klassischen Logik etwa bei Aristoteles werden Zirkelschlüsse als Indiz für das Scheitern eines Definitionsversuches betrachtet. Taucht das zu Definierende als Teil der Definition auf, fallen also Anfangs- und Endpunkt der mentalen Bewegung zusammen, hat das System logisch versagt.

Die Kybernetik hingegen etablierte das Konzept von Zirkularität als wesentliche Kategorie eines möglichen Verständnisses von Selbstorganisation und damit verbundenen zirkulären Rückkoppelungen. Kreisförmige Abläufe sind demnach unabdingbar in selbstregulierenden Systemen. Der Kreis ist somit auch im Rahmen der Systemtheorie zumindest als unsichtbare Form der Wirkung im Kern wissenschaftlicher Paradigmen der Gegenwart verankert.

Als geometrische Form der Fläche hat der Kreis eine lange Tradition in der Menschheitsgeschichte. Als gleichsam göttliche Form, taucht er in Verbindung mit Bildern des Universums auf, aber auch charakteristische Formen menschlichen Spektakels der Geschichte werden als Circus beschrieben. Aber wo taucht der Kreis in der Gegenwart auf? Wo kann der Gehalt seiner Form konkret als Spur einer realen Bewegung zum Objekt der Anschauung werden?

Als synästhetische gleichsam angewandte Form des Alltags strukturiert das Modell des Kreisverkehrs motorisierte Bewegungsströme. Durch eine eigentlich paradoxe Verlängerung des Weges soll hier durch Nichtunterbrechen des Bewegungsflusses die Abwicklung des Verkehrs optimiert werden. Der Kreis-Verkehr erzeugt aber auch eine funktionale Leerstelle, eine Verkehrsinsel, die abgeschnitten von ihrem Umfeld an Optionenarmut kaum unterboten werden kann. Immer wieder wird Kunst gleichsam als kompensatorische Maßnahme ins Zentrum dieses pseudo-öffentlichen Raums gesetzt. Meist auf ihre visuelle Wirkung reduziert, wird Kunst hier maximal als Beeinträchtigung der Fahrsicherheit diskursiv verhandelt.

Die Leerstelle wird im Rahmen der Ausstellung in den Blick genommen. Der Lieu Trouvé wird als dysfunktionaler Raum auf sein subversives Potential im Verhältnis zu den optimierten Verkehrsbahnen hin, im Rahmen einzelner künstlerischer Positionen untersucht. Verkehrsbauten tauchen aber nicht nur als Thema künstlerischer Auseinandersetzung auf, sondern auch in Form automatisiert erstellter Bilder. Für den „Blick der Kunst“ können sich die AusstellungsbesucherInnen entscheiden, sie müssen aber nicht. Vielleicht sind technische Bilder an dieser Stelle geeigneter das BesucherInnen Narrativ runder Orte zu eröffnen. Frei nach Oscar Wilde erlaube ohnehin nur die „Mittelmäßigkeit“ Fortschritte. KünstlerInnen seien oftmals im Kreis von „Meister“werken gefangen, von denen das erste nicht weniger vollkommen sei als das letzte. Damit verdamme die „Meisterschaft“ gewissermaßen zum Stillstand.

Text: Martina Schiller

Manfred Eccli
1981 in Bozen. Lebt und arbeitet in Berlin und Tramin
www.manfredeccli.com
www.moradavaga.com 

Ulrike Lienbacher
geboren 1963 in Oberndorf, lebt und arbeitet in Wien und Salzburg
www.galerie-krinzinger.at 

Ivan Moudov
geboren 1975 in Sofia, lebt und arbeitet in Sofia

Kamen Stoyanov
geboren 1977 in Sofia, lebt und arbeitet in Wien und Sofia
www.kamenstoyanov.com

Luntisten
Felicitas Grabner
geboren 1985 in Rohrbach, lebt und arbeitet in Wien
Franka Rothaug
geboren 1987 in Wien, lebt und arbeitet in Wien
Lunt
geboren 2008 in Brunn am Gebirge, lebt und arbeitet in Wien
www.luntika.at