SCHÖPFWERK, CHRISTOPH MAYER, STYLIANOS SCHICHO & OLAF SAILER FREITAG 30. OKTOBER 2015

Christoph Mayer Dionysos

Christoph Mayer Zobernig-Dummies

Christoph Mayer, Olaf Sailer Texte

Olaf Sailer Texte

Stylianos Schicho Atelierstaub und Mediation I

Stylianos Schicho Skizze I, Skizze II

Stylianos Schicho Argus

Stylianos Schicho Ohne Titel

Auf Einladung von Evelyn Oswald hatte Christoph Mayer 1998 das Vergnügen, Gast beim 6-Tagesspiel des Orgien-Mysterien-Theaters von Hermann Nitsch in Prinzendorf zu sein. Aus Zufall am 3. Tag, welcher Dionysos, dem Gott des Exzesses gewidmet war. Er saß auf einer Heurigenbank neben Gerhard Rühm bei einem Glaserl Wein, als Hermann Nitsch völlig aufgekratzt von Tisch zu Tisch lief und die Anwesenden lauthals beschwörte:“ Ia miaßts mea sauf’n, weu heit is da Dionysos!“ Darauf entgegnete Gerhard Rühm nüchtern, apollinisch trocken: I sauf goa nix, weu I wü den Exzess mit voin Sinnen erleb`n!“
Populär wurde das bipolare Begriffspaar apollinisch-dionysisch durch Friedrich Nietzsches Werk „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“, wonach das Apollinische für das Streben nach Begrenzung, Maß und Gestalt steht, während das Dionysische den Drang ins Ungebundene, das Rauschhafte und Ausufernde verkörpert. Nietzsche zieht diese Prinzipien insbesondere zur Charakterisierung ästhetischer Phänomene heran und sieht im Apollinischen das Streben nach festen, in Definitionen fassbaren Begriffen sowie nach bildhafter Gestalt in Malerei, Epik und Plastik. Das Dionysische hingegen ziele auf die Überwindung und Transzendierung der durch den Verstand geordneten Alltagswelt und einen alle Formen sprengenden Schöpfungsdrang.
Den im Religiösen wurzelnden Begriff „Schöpfung“ in übertragenem Sinne für ein Kunstwerk bzw. dessen „Erschaffen“ zu verwenden, gilt im heutigen Diskurs zur Bildenden Kunst weitestgehend als überholt und verpönt. KünstlerInnen schöpfen nicht(s) mehr, en Vogue ist stattdessen die linguistisch-technizistische Formulierung „Arbeiten zu generieren“.
Die zwei Künstler Stylianos Schicho und Christoph Mayer sowie der Autor Olaf Sailer setzten sich mit dieser bipolaren Entgegensetzung, deren psychologischen, philosophischen und ästhetischen Implikationen intensiv auseinander und entwickelten, schufen, schöpften scheint’s unauflösbare Verstrickungen komplexer Bedeutungs- und Zeichenkarusselle.

Christoph Mayer
lebt und arbeitet in Wien und Leipzig
www.christophmayer.net

Stylianos Schicho
*1977 in Wien, lebt und arbeitet in Wien
www.stylianosschicho.com

Olaf Sailer
*1966 in Reinbek/Hamburg, lebt und arbeitet in Innsbruck
Freier Texter, Lektor und Journalist